Urlaub auf Spitzbergen

Donnerstag, 26. Juli 2007

Longyearbyen

Mit dem Nachtflug fliegen wir 1000 km nach Norden und damit der Sonne entgegen. Während in Tromsø die Zeit der Mitternachtssonne endet, steht die Sonne in Spitzbergen noch hoch am Himmel und taucht die unzähligen spitzen Berge und noch mehr Gletscher in ihr Licht. Darum heißt die Insel 'Spitzbergen', die gesamte Inselgruppe offiziell 'Svalbard', zu deutsch 'Kalter Rand'.

Richtig kalt ist es aber gar nicht. Um die 5 Grad bewegen sich die Temperaturen, obwohl manchmal ein kalter Wind geht. Zum Zelten aber sind die Temperaturen gerade angenehm. Der Campingplatz von Longyearbyen befindet sich praktischerweise direkt vor den Toren des Flughafens an der Küste des Adventfjordes, mit Blick auf die Gletscher auf der anderen Seite des breiten Eisfjordes. Ich bin überrascht von den vielen Zelten - mehr Touristen als ich gedacht hatte.

Bis in die Stadt Longyearbyen ist es etwa eine Stunde zu laufen. Auf dieser Strecke gehen die meisten Fußgänger unbewaffnet, wie auch der Campingplatz nicht gegen Eisbären gesichert ist. Die einzige Straße sei so stark befahren, daß ein Bär rechtzeitig entdeckt würde, lautet die Begründung. Mich beruhigen die vielen Zelte: die Wahrscheinlichkeit, daß der Bär zuerst ein anderes Zelt anknabbert, ist ziemlich hoch.

Aber auch andere Tiere sind den Menschen nicht unbedingt wohlgesinnt. Küstenseeschwalben attackieren uns auf der Straße, ohne daß wir ihnen zu nahe gekommen wären; ein bekanntes Verhalten für die Einwohner von Longyearbyen. Nur etwa 2000 Menschen leben in der größten Stadt Spitzbergens. 1906 für den Kohlebergbau gegründet, leben heute die meisten Menschen vom Tourismus. Obwohl Kohle heute nur noch für den Eigengebrauch abgebaut wird, hat der Bergbau seine Spuren überlassen. Die Landschaft ist von einer schwarzen Schicht Kohlestaub überzogen und und viele alten Gruben, alte Loren und alte Gerätschaften, samt verrosteten Nägeln und Seilen findet man überall. Als Kulturgut sind alle Spuren menschlicher Besiedlung Spitzbergens vor 1946 geschützt und dürfen nicht entfernt werden.

Überraschend sind heute die vielen Autos, die es in der Stadt gibt. Nur 50 km Straßennetz gibt es in und um Longyearbyen, und es besteht keine Straßenanbindung an eine andere Stadt. Wofür nur brauchen die Leute so viele Autos? Der Ort selbst ist sehr klein und übersichtlich. Er erinnert an eine, wenn auch freundlich bunte, Containerstadt, die auf Stelzen gebaut ist. Rohre sind meist überirdisch verlegt, wie es auf Permafrostboden am günstigsten ist.

Einen großen Supermarkt gibt es in Longyearbyen (auf dessen Plastiktüten ein Eisbär abgebildet ist), sowie mehrere Sportgeschäfte, Souvenirshops, eine Tourist-Info, ein Museum und unzählige Gasthäuser. 400 Euro soll der Urlaub in der Stadt pro Person kosten - am Tag. Mit Zelt und eigenem Kocher geht es natürlich auch billiger, und wenn man in Tromsø lebt, kann der Schock der Supermarktpreise nicht mehr so groß sein. Klar, der Liter Milch kostet 2,30 Euro, er wird ja auch Tausende Kilometer mit dem Flugzeug gebracht. Wie allerdings die Milka-Schokolade ihren Weg nach Longyearbyen gefunden hat, und dann noch billiger als die norwegische Schokolade.. :-) Was für ein Glück.

Da wir uns nicht sicher sind, was an der Eisbären-Hysterie dran ist, erkunden wir zuerst einmal die Stadt. Longyearbyen liegt etwas langgestreckt in einem Tal, über dem gleich zwei Gletscher thronen. Rechts und links ragen 500 m hohe Berge in den Himmel, die phantastisch auszusehen sind. Die Gesteinsschichten, und damit die Kohle, liegt praktisch offen in Spitzbergen. Das Geröll, das von den Bergen rieselt, hat den Berghängen eine typische Form aufgeprägt, die mich etwas an die alten Indianerfilme erinnert hat.

Kurz vor Nybyen, dem Stadtteil in dem früher die Grubenarbeiter (und heute die Studenten) gewohnt haben, liegt die Grube 2b etwa 200 m hoch am Berg. Wir trauen uns bis nach oben zu gehen und das alte Gemäuer anzuschauen. Überall auf dem Weg liegen verrostete Nägel und Seile, und natürlich jede Menge Kohle. Die Kohle wird übrigens für 6 Euro pro 100 ml im Supermarkt an Touristen verkauft, mit der Aufschrift: "60 Millionen Jahre alt" ?!

Auf der anderen Seite des Tales begegnen uns ein paar Rentiere, die sich durch unsere Gegenwart nicht aus der Ruhe bringen lassen. Westlich des Zentrums liegt auch der alte Stadtkern mit einer Kirche, der auf dem Bild rechts zu sehen ist.

Am nächsten Tag unternehmen wir einen Spaziergang entlang der Straße in die andere Richtung, westlich des Flughafens. Jeden Tag haben wir etwas unternommen: Spaziergänge, Wanderungen, eine Schiffstour mit Besichtigung der Stadt Pyramiden und eines großen Gletschers. Abends haben wir im Zelt gekocht und dann gelesen (mein Harry Potter-Buch, das ich in Deutschland bestellt hatte, ist rechtzeitig zum Urlaub angekommen!). Das ist der Vorteil der Mitternachtssonne: selbst im Zelt ist es die ganze Nacht hell genug zum lesen :-).

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