Bericht von Stephanie

Montag, 2. April bis Mittwoch, 11. April 2007

Urlaub in Tromsø

3.000 km von zu Hause weg
2.000 km bis zur Arktis
1.600 km von Oslo entfernt
300 km über dem Polarkreis
auf einer Insel mit 63.000 Einwohnern
umgeben von riesigen schneebedeckten bis zu 1.833 m hohen Gipfeln
und den dunkelblauen Ärmen des Fjords
mit einer Durchschnittstemperatur von 0 Grad Celsius
in einem Land voller Schnee und Eis

Erste Eindrücke vom besten Land der Welt dringen durchs kleine Bordfenster der Norwegian Passagiermaschine Y7KIIP zu mir durch. Weit unter mir ziehen die Bergspitzen vorüber, kilometerweit nur Schneefelder, in die sich kein Tier oder gar ein Mensch verirre. Ein Stück unberührte Natur.
Dicht an dicht schieben sich die riesigen dunkelgrauen Wolken voran, erste Zweifel kommen auf. Bin ich in diesem Flugzeug sicher ?!
Die Maschine sinkt, hinab in die Nebelschwaden. Die Piloten können unmöglich etwas sehen, keine 10 Meter weit. "Aber die sind das gewohnt, die können das, das ist hier normal...", rede ich mir selbst ein. Längst im Landeanflug und noch immer stecken wir in der Suppe fest, als es plötzlich aufklart und einige Sekunden lang blaue See auftaucht, ehe wir sehr wacklig direkt auf der völlig eingeschneiten Landebahn des Flughafens aufsetzen und der Steward das langersehnte "Welcome to Tromsö !" verlauten lässt. Kurze Zeit später stehen wir endlich in der "Ankomsthall" und begrüßen Natalie, das erste bekannte Gesicht seit wir heute morgen Deutschland hinter uns gelassen hatten. Draußen schlägt uns die unbarmherzige Kälte sturmartig entgegen und die ersten Flocken bestücken unsere bisher trockengebliebene Kleidung. Die erste Rutschpartie auf den vereisten Straße und eine Busfahrt voller Bangen und Hoffen beginnt. 20 kg Gepäck sind auf dem Weg zum Studentenwohnheim zwar lästig, aber lebensnotwendig, denn in den nächsten Tagen wird uns klar:
2x Socken, 2x Hose, 2x Pullover, Wintermantel, Handschuh, Mütze, Schal, robuste Wanderstiefel und es ist immer noch kalt.

Nach dem ersten Schneespaziergang um den See und einem Rundgang durch die Stadt mit Besichtigung des Hafens lässt der Blick aus dem Fenster nicht unbedingt etwas gutes verheißen. Für heute steht eine Bergtour zur Debatte, doch vorher sollte man auf jeden Fall eine Milchpackung zu Rate ziehen und sich nicht von pessimistischen Prognosen Ansässiger die Laune verderben lassen. Richtig, die 50/50-Chance gibt es in Tromsö immer, das Wetter wechselt hier seine Fasaden im Minutentakt und demnach richtet sich die Wettervorhersage des öfteren am Tag neu aus.

In Tromsö lernt man eins: jeden Sonnenstrahl zu genießen.

Dies taten wir auch nach dem Museumsbesuch im Polaria am Freitag und einem Einkaufsbummel im Coop, spazierten wir guter Dinge über die Insel zum Rentier-Gehege und zurück die insgesamt 10 km lange Loipe zum Wohnheim C-004/005. Der abendliche Kirchgang veranlasste uns zu fragen, ob wir Ostern oder doch eher Weihnachten feierten. Am nächsten Morgen beim ausgedehnten Frühstück mit knallbunt gefärbten Eiern und dem unermüdlichen Grinsen des Schokohasen, wussten wir es wieder. Wobei die Kulisse hinter der Fensterscheibe mit mächtigem Schneetreiben etwas anderes vermuten lassen könnte. Der wie immer gemütlich begonnene Tag sah für den Nachmittag Raum für individuelle Wünsche vor und so schlenderten die einen durch die Innenstadt, hingegen die anderen ein Sonnenbad am See einnahmen, bzw mit den Langlaufski vorlieb nahmen.
Bildung in der Freizeit, das Universitätsmuseum klärt über die Entstehung von Nordlichtern, die Geschichte Norwegens und die Kultur der eingeborenen Sami auf.

Tromsö, eine Insel voller zaghaft bunten Häuser, in einem Meer aus Grau in Grau, Schneefall von oben, Eisplatten zu Füßen, den Blick gen Himmel gerichtet, doch der Nebel schweigt. Wann immer man auch in der Dunkelheit aus dem Fenster sieht, treibt der eisig scharfe Wind den weißen Staub durch die von meterhohen Schneewänden gesäumten Straßen ins Tal hinab zum Hafen. Die weißen Flocken riesen die ganze Nacht und am nächsten Morgen sind die Fußspuren vom vergangenen Tag längst verwischt. - Mit einem Seufzen verließ ich diese völlig andere Welt, in die ich mich begeben hatte und in der ich mir manchmal vorkam wie in den Filmen von Pippi Langstrumpf. Das letzte was ich am Tag der Abreise zu sehen bekam, war der Sonnenaufgang um fünf Uhr Morgens.

Nun sitze ich hier und sehe auf die Bilder, sie zeigen die Schönheit der Natur, aber nicht die Härte des Eindrucks, die sie hinterlassen. Erinnerung für immer muss man selbst erlebt und gefühlt haben. Vielen Dank an Natalie und Bernd.

 

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