Tromsø International Film Festival
Mit dem Internationalen Filmfestival erwacht Tromsø aus dem Winterschlaf: die Straßen sind voller Menschen, man unterhält sich mit Leuten, ist den ganzen Tag unterwegs, geht abends noch einmal in die Stadt. Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Stufen der Kirche treffen, endet offiziell die Polarnacht.
Wir haben uns als Freiwillige für das Filmfestival gemeldet. Artur, unser portugiesischer Freund, hatte uns darauf aufmerksam gemacht. Am Anfang war ich mir etwas unsicher, weil wir nicht sehr gut Norwegisch sprechen. Und alle Infomails, die wir bekommen haben, waren norwegisch. Zumindest konnten wir ihnen entnehmen, daß am Montag abend, am 15. Januar, ein Info-Treffen im "Verdensteateret" stattfindet, eine sehr schönen, alten Kino. Bei dem Treffen waren über 200 freiwillige Helfer! Wir haben alle gelbe T-Shirts bekommen, sowie Ausweise zum um den Hals hängen.
Eingeteilt waren wir im Fokus-Kino, wo wir gleich noch in unsere Aufgaben als "Billettkontrollør" eingewiesen wurden. Anschließend gab es eine Vorführung von "The Host", einem der Filme des Festivals. Wir hatten schon am Sonntag nachmittag "Born and Bred" in einer Sondervorstellung für die internationalen Studenten gesehen, die nur 30 Kronen gekostet hat.
Das Verdensteateret, ein Stummfilm-Kino von 1912.
Am Dienstag morgen um 8:30 Uhr ging es los. Bernd war im Foyer eingeteilt. Zu zweit standen sie oben an der Treppe und haben fünfzehn Minuten vor Beginn einer Vorstellung die Leute mit Festival-Armband oder -Ausweis nach unten gelassen. Vor jedem der sechs Kinosäle stand dann ein Freiwilliger, der die Kinokarten für den jeweiligen Film kontrolliert hat. Die "Billetkontrolløre" sollten mit in den Saal sitzen, um Bescheid zu sagen, wenn etwas mit dem Film oder dem Ton nicht stimmt. Für den Ton und die automatische Öffnung und Schließung der Türen gab es kleine Schaltschränke. Passierte etwas mit dem Film, war das Bild zum Beispiel zweigeteilt, haben wir den Technikern Bescheid gegeben, die das meist aber schon selbst gemerkt hatten.
Die Kontrolleure an der Treppe.
Mit der Sprache hatten wir keine großen Probleme. Aussagen wie "Haben Sie ein Armband?", "Haben Sie eine Kinokarte?", "Saal 5 ist hier", "Die Toiletten sind dort hinten" haben wir auf Norwegisch hinbekommen. Im Idealfall haben wir die Leute verstanden und konnten auf Englisch antworten. Bei zu langen und zu schnellen Redeschwällen mußten wir eben um eine englische Frage bitten, was aber kein Problem war. Nur einmal hat mich eine ältere Frau verdutzt mit einem "Was sagst Du?" angeschaut, als ich auf Englisch geantwortet habe, und ich war gezwungen, mir norwegische Sätze zu basteln - was aber gar nicht so schlecht war für mich.
Und so haben wir Auskünfte zum Programm gegeben, die Leute zum richtigen Saal geschickt, sie einmal bei einem falschen Feueralarm nach draußen geschickt, oder sie zurückgehalten wenn sie im falschen Gebäude waren. Das Film-Festival fand nicht nur im Fokus-Kino statt, sondern noch an diversen anderen Orten, im Kulturhaus, im Verdensteateret, in einem Theater und in einigen Hotels. Nicht alle Vorstellungen waren für die Öffentlichkeit. Für die Presse und für die Jury gab es besondere Vorstellungen, ebenso wie für Schulklassen. Zusätzlich gab es auf dem Marktplatz eine Leinwand ("Freeze Frame" genannt - es war nämlich eiskalt und hat geschneit draußen).
Der Marktplatz. Rechts sieht man die Frontseite des Rathauses, im Hintergrund die Eismeerkathedrale, links die katholische Kirche und auf dem Marktplatz steht die Leinwand des Tromsø International Film-Festival.
Insgesamt gab es 90 verschiedene Vorstellungen, die bis zu sieben Mal an zwölf verschiedenen Orten gezeigt wurden. Unter den Gästen waren sowohl Schauspieler als auch Regisseure, die nach den Filmen zumeist für Fragen und Antworten zum Film zur Verfügung standen. Die Presse war anwesend, und die Eröffnung wurde im Fernsehen übertragen.
Waren wir nicht als Helfer eingeteilt, so konnten wir in einem kleinen Büro mit unserem Freiwilligen-Ausweis umsonst Karten für alle öffentlichen Vorstellungen holen. Obwohl die Arbeit nicht bezahlt wurde, hat es sich deswegen natürlich trotzdem gelohnt. Wir sind auch mit Kaffee und Brötchen versorgt worden. Und es war einmal wieder schön, sich mit anderen unterhalten zu können.

Filme
Und hier eine kleine Auswahl der Filme, die wir ganz oder teilweise gesehen haben:
- Born and Bred (Argentinien/Italien/GB, 2006)
Ein Mann findet nach einem tragischen Unfall in den Weiten von Patagonien zu sich selbst. Ein langsamer Film. - Borderpost (Bosnien/Slovenien/Mazedonien/Kroatien/Serbien/UK, 2006)
Eine Komödie über einen verrückten Kommandanten mit seinen Soldaten an der Grenze zu Albanien. - Vinterland (Norwegen 2006)
Ein netter Film über Einwanderer in Nord-Norwegen - Viel, viel Schnee, Kälte, weite Landschaften, die typischen Holzhäuschen, Norwegisch-Kurse und natürlich Norweger verpackt in eine kleine Geschichte. - Once in a Lifetime (USA 2005)
Eine Dokumentation über den Versuch, den Fußball mit viel viel Geld in den 1970ern der amerikanischen Gesellschaft schmackhaft zu machen. - Longing (Deutschland 2006)
Ein Schlossermeister aus einem ostdeutschen Dorf zwischen zwei Frauen. Ich fand ihn langweilig, aber er hat einen Preis bekommen. - Lucy (Deutschland 2006)
Ein junges Mädchen mit einem Kind versucht im Leben zurechtzukommen. - Requiem (Deutschland 2005)
Michaela, die an Epilepsie leidet, beginnt in den 70ern ihr Studium in Tübingen. Sie genießt ihre neue Freiheit, leidet aber gleichzeitig unter den Ängsten ihrer Eltern, den Tabletten und den epileptischen Anfällen und entwickelt einen religiösen Wahn. Ihre Freunde versuchen ihr zu helfen, doch schlußendlich stimmen ihre Eltern auf ihren Wunsch einer Behandlung von einem jungen Pastor zu, in deren Verlauf sie schließlich an Entkräftung stirbt. Ein sehr guter Film. - Inga Tårar (Schweden 2006)
Eine schwedische Familiengeschichte. Ein Photograph möchte für den 75. Geburtstag seiner Mutter ein Familienphoto machen und stößt dabei auf immer weitere, unbekannte Familienmitglieder. - The Journals of Knud Rasmussen (Dänemark/Kanada 2006)
Ein Film über die Inuit Anfang des 20. Jahrhunderts, mit vielen Geschichten über Schamanen und die beginnende Christianisierung. - Contact (Mazedonien/Deutschland 2006)
Eine ehemalige Patientin einer Psychatrie und ein ehemaliger Insasse eines Gefängnisses kommen sich bei der Renovation eines Hauses näher. - The Paper Will Be Blue (Rumänien 2006)
Ein Film über das Chaos in der Nacht des 22. Dezember 1989, als der Diktator Ceausescu gestürzt wird. - Restart (Tschechien/Finnland 2005)
Eine junge Frau im Nachtleben von Prag auf der Suche nach ihrem Freund - alle denkbaren Szenen werden aneinandergereiht, Vorstellung und Realität sind nicht auseinanderzuhalten und am Ende ist vielleicht gar nichts passiert. - Tasuma The Fighter (Burkina Faso/Frankreich 2003)
Sogo kauft in Erwartung seiner Pension von der französischen Armee eine Mühle für die Frauen seines kleinen, abgelegenen Dorfes. Jeden Tag macht er sich erneut auf den Weg in die Stadt um seine Pension abzuholen, wobei er von den Frauen tatkräftig unterstützt wird. Ein sehr schöner Film. - USA VS Al-Arian (Norwegen 2007)
- WWW - What a Wonderful World (Frankreich/Marokko 2005)
Ein Killer, eine Prostituierte und eine Polizistin in Casablanca. - Garpastum (Russland 2005)
Russland zu Beginn des 1. Weltkrieges. Zwei fußballbegeisterte Brüder wollen ein Stadion bauen. - Tomorrow Morning (Serbien und Montenegro, 2006)
- Black Sheep (Neuseeland 2006)
Die genmanipulierten Schafe einer Farm in Neuseeland greifen Menschen an. Nette Charaktere, traumhafte Landschaft, nur das mit den Schafen fand ich nicht so nett.. - The Host (Südkorea 2006)
Ein Monster aus einem Fluß hat ein Mädchen verschleppt, dessen Familie es auf eigene Faust zu befreien versucht. Trotz des Monsters eigentlich eher ein lustiger Film.







