Studium - continued
Offiziell dauert das Semester vom 14. August bis zum 22. Dezember 2006, umfaßt also 19 Wochen. Allerdings richtet sich der Kursumfang nicht nach der Länge des Semesters wie bei uns, sprich hier wird nicht in "Semesterwochenstunden" (Stunden pro Woche) gerechnet, sondern in absoluten Stunden. Eine handelsübliche Größe sind 40 Stunden Vorlesungen und 40 Stunden Übungen pro Kurs. Dem entsprechen 10 ECTS-Punkte. Die Stunden werden dann über die Semesterdauer verteilt. Das erlaubt es zum Beispiel mal eine Woche ausfallen zu lassen, wenn der Dozent auf Reisen ist und keine Vertretung da ist. Auch ist es üblich, zwischen Vorlesungsende und Prüfung zwei Wochen Platz zu lassen, damit die Studenten lernen können. Die Prüfungen finden dann gegen Ende November/Anfang Dezember statt.
Dabei handelt es sich meist um (45-minütige?) mündliche Prüfungen, die 80 Prozent zur Gesamtnote zählen. Im Laufe des Semesters wird eine Hausaufgabe, ein Bericht oder ein Projekt mit den restlichen 20 Prozent bewertet. Übungsaufgaben als Zulassung zur Klausur gibt es hier nicht.
Der Vorlesungsstoff richtet sich nach einem ausgewählten Buch. Der Professor gibt die Daten an die Buchhandlung weiter, die im Universitätsgebäude untergebracht ist und entsprechend der Anzahl der Kursteilnehmer werden die Bücher bestellt. Von jedem Studenten wird erwartet, die Bücher zu kaufen. Damit kommen deutlich höhere Kosten auf einen zu als in Deutschland, wenn man für jedes Buch 70-100 Euro rechnet. Die ausländischen Studenten sträuben sich etwas gegen diese Praxis, und stürmen die Bibliothek (da gibt es immer nur ein einziges Exemplar), oder legen ganze Bücher auf den Kopierer. Eine Kopierkarte für 20 Kopien kostet aber 10 Kronen, das kommt dann auch nicht viel billiger. Eine Professorin hat uns allerdings eines ihrer eigenen Bücher geliehen für die Dauer des Semesters.
Wie sehr sich die Vorlesung an dem Buch orientiert, hängt vom Dozenten ab. Manchmal wird das gescannte Buch an die Wand projeziert und durchgesprochen, mit Augenmerk auf den wichtigsten Punkten und ergänzt um zusätzliches Material. Manchmal orientiert sich der Tafelanschrieb am Buch. Und manchmal werden Teile des Buches für schlecht befunden und der Dozent entwickelt sein eigenes Skript mit ordentlicheren Herleitungen und eigenem Bildmaterial.
Wie bei uns sind Powerpoint-Folien und Tafelanschriebe gemischt, und die Kopien stehen zum Download bereit, werden per email verschickt oder in der Vorlesung ausgeteilt. Manche Dozenten arbeiten nur an der Tafel, während manche Vorlesungen sehr interaktiv sind. Bei der kleinen Zahl der Kursteilnehmer gehen schon mal Fragen den Tisch entlang und jeder hat Gelegenheit zur Antwort. Dadurch ist auch ein individuellerer Unterricht möglich; einmal hat man natürlich Gelegenheit zu fragen, aber es kann z.B. auch mal eine Wiederholungseinheit eingeschoben werden, wenn es nötig ist.
Wie die Vorlesungen gestalten sich auch die Übungen sehr unterschiedlich. Entweder gibt es Übungsaufgaben (meist direkt aus dem Buch), die zu Hause gerechnet und dann an die Tafel geschrieben werden (ohne Kontrollsystem - wer eine Idee hat, geht halt nach vorne und schreibt es hin), oder die Aufgaben werden projeziert und der Lösungsweg nur besprochen. In manchen Übungsgruppen werden auch Präsenzaufgaben gerechnet, mit ein paar Tips zum Lösungsweg, damit man nicht so lange hängenbleibt und die Lösung wird dann ebenfalls an der Tafel gezeigt.
Um was es inhaltlich in unseren Kursen geht, kommt in einem späteren Artikel.

