Bernd & Natalie

Tips zur Nordlicht-Beobachtung in Tromsø

Weil wir schon oft gefragt wurden, wie hoch die Nordlicht-Chancen für eine bestimmte Zeit sind sind und wo und wie man sie am besten sieht oder photographieren kann, hier ein kleiner Artikel dazu. Vorneweg: Ein bißchen Glück braucht es, eine Nordlicht-Garantie gibt es nicht. Die Aussage, daß fast jede Nacht Nordlichter sichtbar sind, stimmt zumindest in diesem Jahr nicht. Es geht mehr in die Richtung: drei, vier Mal im Monat. Allerdings gehört Tromsø zu den bevorzugten Orten: es liegt genau unter dem Ring, der sich auch über Kanada, Nordschweden und Nordfinnland erstreckt, und in dem die Polarlichter am häufigsten auftreten.

In einem sehr alten Buch, das ich in der Bibliothek gefunden habe, habe ich auf die Frage, wann man am besten Polarlichter beobachten kann, folgende Antwort gelesen: Am Tag nachdem man schon einmal Nordlichter gesehen hat, oder am Tag nachdem man erzählt bekam, daß Nordlichter sichtbar waren. Obwohl wir uns heute auf viel mehr Technik und Physik stützen können, bleibt es dennoch ein guter Tip.

Zur Entstehung von Nordlichtern habe ich hier schon einmal die einfachen Zusammenhänge versucht darzustellen. Generell braucht es zwei Sachen für Nordlichter: Sonnenaktivität, sowie klare Sicht bei dunklem Himmel. Beides läßt sich leider nicht über Monate hinweg vorhersagen.

Sonnenaktivität

Wie in dem anderen Artikel beschrieben hängt das Auftreten von Nordlichtern eng mit dem Sonnenwind zusammen. Ein starker Sonnenwind wird zum Beispiel erzeugt von Eruptionen auf der Sonne. Ein gutes Maß für die Aktivität auf der Sonne sind die Sonnenflecken. Sie stören das Magnetfeld der Sonne und bei günstiger Konstellation (sowohl des interplanetaren Magnetfeldes als auch der Position der Erde) können große Mengen Materie, die von der Sonne weggeschleudert werden (sog. Flares), die Erde treffen. Von der Zeit der Eruption auf der Sonne bis zum Erreichen der Erde vergehen ungefähr zwei Tage.

Die Sonne dreht sich einmal in etwa 25 Tagen um ihre eigene Achse. Bestehende Sonnenflecken erscheinen deswegen am Ostrand der Sonne und wandern langsam über die Sonnenscheibe. Ereignisse auf der Rückseite der Sonne resultieren zwar nicht direkt in Nordlichtern auf der Erde, allerdings kann man dann davon ausgehen, daß sich die aktive Region in den nächsten Tagen auf die Erde richtet - und dann kann man auf weitere Eruptionen hoffen.

Die Aktivität der Sonne verläuft nach einem ungefähr 11-jährigen Zyklus. In einem Minimum (2006/2007) kann es über Tage gar keine Sonnenflecken geben, während es in einem Maximum viele Dutzend sein können (sie treten dann in Gruppen auf). Allerdings kann ein einziger Sonnenfleck schon ausreichen, um, bei günstigen Bedingungen, einen schweren geomagnetischen Sturm auszulösen.

(Quelle: www.spaceweather.com, SOHO/MDI) Sonnenflecken am 25. Januar 2001 (links), der Sonnenfleck 930 am 12. Dezember 2006, der die starken Nordlichter ausgelöst hat (Mitte) und keine Sonnenflecken heute (rechts). Allerdings gibt es starke Aktivität auf der Rückseite der Sonne - die nächsten Tagen werden spannend.

(Quelle: Wikipedia) Die Zahl der Sonnenflecken in den Jahren 1977 bis 2004. Das nächste Maximum wird für 2010/2011 erwartet

Hier die geomagnetische Aktivität für Tromsø in den Jahren 1987 bis heute (zum Vergrößern anklicken): Wie man sieht kann man trotz eines Minimums in manchen Monaten durchaus Glück haben.

Die geomagnetische Aktivität für einen bestimmten Ort wird in Abweichungen vom Erdmagnetfeld gemessen. Wenn sich das Erdmagnetfeld stark ändert, spricht man von einem geomagnetischen Sturm. Dann ist die Wahrscheinlichkeit für Nordlichter hoch. Aktuelle Meßwerte der geomagnetischen Aktivität für Tromsø findet man hier:

Im Dezember sah das so aus: (Quelle: Tromsø Geophysical Observatory) Deutlich sieht man den Peak am 15. Dezember.

Ein Index für die Aktivität ist der sogenannte K-Index, eine Skala von 0 bis 9. Ab K-Index = 5 spricht man von einem Sturm. Man findet viele dieser Graphen im Internet. Hier wieder der 15. Dezember 2006: (Quelle: SEC/NOAA)

Der Index wird auch in Tromsø gemessen, immer gemittelt über drei Stunden. Die aktuellen Werte gibt es hier:

(Quelle: Tromsø Geophysical Observatory) oder auch hier:

Ich möchte jedoch noch einmal anmerken, daß die Vorgänge, bei denen Nordlicht entsteht, sehr komplex sind. Deshalb müssen die physikalischen Messungen nicht unter allen Umständen bedeuten, daß es jetzt Polarlichter gibt, oder daß es sie nicht gibt. Lediglich die Wahrscheinlichkeit ist etwas höher. Und darum gehört am Ende einfach auch ein bißchen Glück dazu!

Wetter

Tromsø liegt direkt an der Atlantik-Küste, hier herrschen deswegen nicht so stabile Wetterlagen wie z.B. im Inneren von Finnland. Es kann öfter bewölkt sein. Zur Zeit sieht es z.B. schlecht aus für Nordlichter:

Die aktuelle Vorhersage gibt es hier:

und die Uni Tromsø mißt auch die aktuellen Wetterdaten und hat außerdem eine Webcam und ein tolles Archiv

Die Hurtigruten-Reisenden sind wettermäßig leicht im Vorteil. Durch die großen Distanzen, die das Schiff auf einer Kreuzfahrt die Küste entlang zurücklegt, kann sich das Wetter leichter ändern.

Gute Aussichtspunkte

Ist es dann endlich soweit, stellt sich nur noch die Frage: wohin? Auf jeden Fall nach draußen, und nicht nur aus dem Fenster schauen. Die Augen müssen erst adaptieren, das dauert einige Minuten. Aus einem hellen Haus sieht man eh nicht gut. Lieber gut anziehen und ein paar Meter gehen, bis man eine dunkle Stelle findet!

Quellen von Licht können der Vollmond sein

oder Lichter der Stadt. Es empfiehlt sich, dunkle Orte aufzusuchen, 200 Meter weg von Häusern und Straßenlaternen verbessern die Sicht schon. Hier sind die Orte, die wir gerne benutzen: Weiter im Norden der Insel findet man sicher auch gute Stellen. Die "Lysloipa", die sich bis ganz an die Nordspitze zieht, ist ein guter Ausgangspunkt. Sie ist (ich glaube) bis 23 Uhr zwar beleuchtet, aber ein paar Meter abseits sieht man schon gut.

Wenn man ein Auto hat, kann man ein paar Kilometer von der Stadt wegfahren. Die Insel Kvaløya bietet gute Aussichtspunkte (im Süden der Ersfjord und im Norden Grøtfjord): Es gibt eine Straße, die dort entlang fährt. Die andere Richtung auf das "Festland" hinter Tromsdalen, ist sicher auch lohnenswert. In der Nähe des EISCAT ist man durch eine Bergkette auch von den Lichtern der Stadt abgeschirmt.

Und wenn man möchte, kann man natürlich auch auf die Berge wandern. Der Weg auf den Storsteinen in Tromsdalen war am 1. Januar 2007 trotz Schnees gut zu begehen. Von oben kann man auch schön die Stadt sehen. Wenn man etwas weiter nach Osten läuft, dürfte es aber trotzdem dunkel sein. Hier eine Möglichkeit, auf Kvaløya zu laufen. Wie die Wege im Winter dort sind, weiß ich allerdings nicht. Für beide Wege sollte man zu Fuß allerdings mehrere Stunden einplanen!

Photographie

Alle Photos auf unserer Homepage sind mit einer Olympus C4040 Zoom Digitalkamera gemacht. Wir sind aber keine professionellen Photographen. Auf jeden Fall ist für die Aufnahme von Nordlichtern ein Stativ und lange Belichtungszeiten (mind. 6 Sekunden) notwendig. Nordlichter warten auch nicht, bis man die Kamera richtig eingestellt hat, sondern können sich sehr schnell bewegen. Also ist es mehr ein "auf den Auslöser drücken" und am Ende schauen, was dabei herausgekommen ist.

Starke Polarlichter treten auch oft in Wellen auf. Sie sind einige Minuten sehr stark, legen vielleicht eine halbe Stunde eine Pause ein, um dann plötzlich wieder den ganzen Himmel zu erfüllen. Oft sieht man auch ein helles Band, daß sich entlang der Magnetfeldlinien über den ganzen Himmel erstreckt. Prinzipiell gilt: Wenn man eines gesehen hat, nicht aufgeben, sondern weiterschauen. Die Wahrscheinlichkeit, daß es wieder kommt, ist sehr hoch.

Viel Glück allen Polarlicht-Jägern und viel Spaß!

 

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