Bernd & Natalie

Alltägliches - ein Zwischenbericht

Am Dienstag fand das "Oktobertreffen" mit Line, Rachel und Ndanga statt, die sich schon so lieb nach unserer Ankunft um uns gekümmert haben in der ersten Woche. Sie haben uns wieder mit Essen versorgt und wollten wissen, wie es uns in der Zwischenzeit ergangen ist.

Obwohl uns sicherlich einiges leichter fällt als anderen, lohnt es sich ja vielleicht doch, darüber nachzudenken, was die "großen Herausforderungen" gewesen sind. Wir hatten nicht mit einem Kulturschock zu kämpfen, wie sicher viele Internationale, und auch das Klima hat uns bisher nicht aus der Ruhe gebracht. Rachel sprach von Tromsö gar als einer "feindlichen" Umgebung. Als Afrikanerin kannte sie einfach keine dicken Strumpfhosen aus Wolle - und hat in ihren Nylons bitter gefroren.

Es ist sehr bemerkensert, wie besorgt man um uns ist und wie viel Hilfestellung man gibt. Vielleicht ist das einer der größten Unterschiede zu Deutschland. Morgen zum Beispiel gehen Line und Rachel auf Shopping-Tour mit den Studenten, die noch billig Winterkleidung kaufen müssen und sich noch nicht so zurechtfinden. Genauso gibt es einen Supermarkt-Rundgang mit Übersetzung für diejenigen, die bestimmte Sachen im norwegischen Supermarkt noch nicht finden konnten. Für diejenigen, denen die Lebensmittel fremd sind, gibt es Koch-Tips - uns so weiter.

Wohnung

Aber zu uns. Wenn es auch nicht so schwierig war, mußten wir uns doch einleben. Wir haben uns in unserer Wohnung eingerichtet, viele kleine Dinge gekauft, die man so braucht. Zum Beispiel Licht! Hier gab es einfach kein Licht. Sobald es nachts dunkel wurde, kamen uns Zweifel an den vorhandenen 40-Watt-Funzeln (hm, und im Schlafzimmer war gar kein Licht, weil wir den Schreibtisch mit Schreibtischlampe ins Wohnzimmer gestellt hatten). Und auf einem unserer Streifzüge durch den Baumarkt fiel uns dann dieser 500-Watt-Strahler in die Hände.. jetzt ist es hell!! Ein Regalbrett für unsere Tee-Sammlung kam auch noch dazu. Ein Mixer, ein Bügeleisen, zwei Fleece-Decken, eine Wäscheleine - solche Dinge. Viele Photos, Bilder und Postkarten zieren mittlerweile die Wände, dank unserer Familie.

Supermarkt

Was den Supermarkt angeht, haben wir in der Zwischenzeit zu einer Routine gefunden. Dienstag gehen wir auf dem Heimweg von Breivika im Eurospar vorbei und Freitags runter in die Stadt zum Rema. Eigentlich ist das lustig, im Rückblick kann ich verschiedene Phasen ausmachen: Zuerst die "Wörterbuch-Phase": suchen, wo es etwas gibt und ausprobieren. Ich habe mich dann am Abend hingesetzt und die Preise nach fünf Supermärkten sortiert. Mit dieser Liste sind wir dann einige Zeit durch den Supermarkt gelaufen ("Nein, das ist da und dort billiger, das kaufen wir hier nicht.."). Damit haben wir eine ganze Menge Geld gespart. Nach einiger Zeit blieb die Liste im Rucksack - die meisten Preise kannten wir dann.

Und im Moment ist das dann wohl die "Sonderangebots"-Phase. Diese Woche gab es im Eurospar Äpfel für 18 Kronen - sonst kosten sie 35. Also kaufen wir Äpfel. Die Paprika können wochenlang 60 Kronen kosten - und plötzlich kosten sie nur 17. So ist es mit allem frischen Gemüse und Obst. Und so richtet sich die Einkaufsliste nicht nur nach dem, was wir brauchen, sondern vor allem nach dem, was gerade billig ist.

Zu Fuß

Manche Sachen sind aber eben auch zu teuer - so daß man nach Möglichkeit darauf verzichtet. Wir wollten es zum Anfang beispielsweise ohne Buskarte versuchen. "100 Meter den Berg hoch" jeden Tag, oder zwei Mal am Tag, wenn man dann auch noch Einkäufe zu tragen hat - daran mußte ich mich auch erst gewöhnen. Mittlerweile finde ich es aber sehr angenehm, jeden Tag nach draußen an die frische Luft zu kommen, und durch eine Schneelandschaft in die Uni zu laufen.

Mit dem Laufen wird es jetzt aber auch so eine Sache: Hier wird kein Salz gestreut. Und die Straßen sind _steil_. Allerdings wird der Schnee gewalzt, sogar auf Trampelpfaden, so daß man dann doch vorankommt. Der Weg kann sich halt auch in eine Eisplatte verwandeln. Für den Zweck gibt es dann Spikes zum unter die Schuhe binden.. Jaa, sehen wir mal, was da noch auf uns zukommt..

"Überlebenstips"

Und wenn ich schon bei der Zukunft bin, das Oktobermeeting gestern diente hauptsächlich der Vorbereitung auf die Polarnacht. Überlebenstipps, sozusagen. Die wollene Unterwäsche gehörte dazu. Regen- und Daunenjacken wurden uns vorgeführt, worauf wir beim Einkauf von Handschuhen zu achten haben, daß man doch Mützen aufsetzen soll, ... Dann wurde uns wieder eingeschärft, daß wir doch frisches Gemüse und Obst kaufen sollen. Sie kennen ihre Leute ganz genau und wissen, daß wir vor den Preisen zurückschrecken.

Vitamine

Obst und Gemüse sind wegen der Vitamine in der Polarnacht besonders wichtig. Wenn das Sonnenlicht fehlt, müssen alle Vitamine mit der Nahrung aufgenommen werden. Vitaminmangel macht nicht nur müde, sondern auch anfälliger für Erkältungen und Grippe - alles nicht so gut für das Studium. Für diesen Fall gibt es im Supermarkt Multivitamine in flüssiger Form oder als Tabletten kaufen. Und damit das nicht ungehört bleibt, haben Line und Rachel gleich das komplette Set Vitamine mitgebracht, mitsamt einer Hunderterpackung Plastiklöffel und jeder durfte alles einmal durchprobieren. Was man einmal probiert hat, kauft man eher - kein schlechter Schachzug.

Dunkelheit

Ein weiteres Problem könnte der Schlafrhythmus sein. "Don't turn your day around!": Wenn es den ganzen Tag dunkel ist, kann es sein, daß man sich abends nicht müde fühlt, aber morgens dafür umso mehr. Dann sei es verlockend, einfach morgens zu schlafen. "Und am Ende kommt ihr in die Uni, wenn ich nach Hause gehe!". Was hilft sind frische Luft am Abend, Spaziergänge in der Dämmerung am Mittag und - die "magische Lampe": Wer Probleme mit der Dunkelheit hat, darf sich eine Dreiviertelstunde am Tag zwei Wochen lang vor die Vollspektrumlampe setzen, und damit sind alle Probleme gelöst.

Und dann kann man im Schnee spielen, Schlittenfahren und Nordlichter bewundern. Die Polarnacht, hat man uns erzählt, ist traditionell die Zeit, in der sich die Einheimischen etwas zurücklehnen, viel Zeit mit der Familie und Freunden verbringt. In der man vielleicht Bücher liest und all das tut, wofür man sonst keine Zeit hat. Mittlerweile geht die Sonne um 16:00 Uhr unter. Am 27. November geht sie gar nicht mehr auf. Sind wir gespannt!!

 

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