Bernd & Natalie

Sonntag/Montag, 8./9. Juli 2007

Tromsdalenstind um Mitternacht

"Nord-Norwegen wärmer als Spanien und die Türkei", titelte die lokale Zeitung diese Woche. Bis zu 24 Grad in einem stabilen Hoch haben wir zur Zeit hier in Tromsø, bei 24 Stunden Sonnenschein. Und weil uns das fast schon zu heiß war zum Wandern, sind wir dieses Mal erst um 19 Uhr aufgebrochen - Richtung Tromsdalenstind. Noch vor kurzem soll es Neuschnee auf dem Berg gegeben haben und die Schneeschmelze sei so spät wie schon lange nicht mehr gewesen, hat man uns erzählt. Trotzdem hat der Tromsdalenstind den größten Teil seiner Schneemassen diese Woche eingebüßt - und wir können wieder zu Fuß auf den Berg.

Die gesamte Mückenpopulation scheint ins Kroken-Tal gezogen zu sein, weswegen wir im benachbarten Tromsdalen-Tal diesmal ganz ungestört waren. Etwas niedrigere Temperaturen und ein bißchen Wind waren zum Laufen auch sehr angenehm. Durch das Tromsdalen-Tal führt ein breiter Wanderweg (im Winter natürlich als Loipe genutzt), der auch bei Mountainbikern sehr beliebt ist. Die Steigung ist gering, man läuft durch Wald, durch das Tal rauscht der Bach und es gibt einige nette Grillstellen. Der Weg endet in einem Talkessel mit einem kleinen See. Ein traumhaft schöner Ort - umgeben von Felswänden mit Wasserfällen und mit Blick auf den 1240 m hohen Tromsdalenstind.

Diesmal sind wir jedoch links abgebogen und bis zu einem Hochplateau auf 500 m angestiegen. Der direkte Weg führt weiter zur Hütte Skarvassbu, wo wir letzte Woche waren. Eine Abzweigung führt jedoch direkt an der Flanke des Berges nach oben. Bevor man den Fuß des Berges erreicht hat, hat man allerdings fast die Hälte der Höhenmeter schon hinter sich gebracht.

Erstaunlich schnell erobern Grünpflanzen und Gräser den so lange von Schnee bedeckten Boden zurück. Besonders auf der Hochebene vor dem Fuß des Tromsdalen gibt es unglaublich intensiv grün leuchtendes Moos. Die Baumgrenze hier in der Region liegt etwa bei 300-350 Meter. Die niedrigen Kiefern und das leuchtende Farn, das im feuchten Tal wächst, werden dann abgelöst durch viele Heidelbeeren und ähnliche niedrige Sträucher. Vor dem Berg haben wir ein Rebhuhn oder eine Wachtel gesehen - mit neun kleinen Küken, die vergnügt um sie herumgesprungen sind. Für uns haben sie sich nicht sondernlich interessiert, im Gegensatz zu den Möwen, die gestern ihren Nachwuchs - zwei kleine süße graue Fellknäuel - in unserer Straße aggressiv verteidigt haben.

Und selbst als wir mit dem Aufstieg begonnen haben, begegnen uns immer wieder blühende Grünpflanzen und Moos-Teppiche mit kleinen lilanen Blüten. Wie kommen nur die Pflanzen auf diesen Berg aus Geröll?

Über die Flanke aufzusteigen ist dankbarer als der langgestreckte und ebenso steile Weg durch den Talkessel. Die stete Aussicht auf alle Seiten ist phantastisch, und die Spitze des Berges ist immer sichtbar, wodurch man sich keinen Illusionen hingeben kann. Um 0:55 Uhr - pünktlich zum Tiefststand der Sonne - haben wir den Gipfel erreicht. Es gibt noch genug Schnee zum Kochen, doch der Weg war vollständig frei.

Bis um kurz nach drei Uhr genießen wir die Aussicht und die Mitternachtssonne, kochen und lesen im Gipfelbuch. Der Tromsdalenstind ist ein beliebtes Ziel, manche Tage füllen 10 Seiten mit Namen der Wanderer. Als wir letzten Sommer hier waren, ist immer mal wieder jemand an uns vorbeigejoggt - die Tromsøer laufen gerne Marathon vom Fjord zum Gipfel. Aber richtig beliebt ist der Tromsdalenstind im Winter: mit Ski. Wie man aber mit Skiern auf diesen Berg kommen soll, wird mir ein Rätsel bleiben.

Zurück laufen wir auf dem gleichen Weg wie schon her. Anfangs liegt das Tromsdalen-Tal im Schatten, aber die Sonne steigt schnell am Morgen und bevor wir die ersten Häuser erreichen, schaut sie schon wieder über die Bergkuppe. Um Viertel vor 7 sind wir wieder zu Hause - insgesamt 11,5 Stunden für 24,4 km und etwa 1400 Höhenmeter.

 

Links

 

Valid XHTML 1.0 Strict