Das norwegische Parlament (Stortinget)
Geschichte
Die norwegische Verfassung stammt aus dem Jahre 1814. Zu dieser Zeit war Norwegen durch eine Union an Dänemark gebunden. Mit der Niederlage Napoleons im Rußlandfeldzug wurde Norwegen als "Geschenk" an Schweden gegeben. Der dänische Kronprinz akzeptierte dieses Abkommen jedoch nicht und versammelte die einflußreichsten Männer von Norwegen, um eine eigene Verfassung aufzusetzen. Die sogenannte Eidsvoll-Versammlung bestand aus 112 Männern aus unterschiedlichsten Bereichen. In kürzester Zeit einigten sie sich auf eine Verfassung, die auf denselben Idealen wie die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung der Französichen Republik basierte. Sie wurde am 17. Mai 1814 unterzeichnet und der dänische Prinz zum König eines freien, souveränen und unabhängigen Norwegens gewählt. Der 17. Mai ist noch immer der Nationalfeiertag Norwegens.
Die folgende Krieg mit der schwedischen Armee währte ob der unterlegenen norwegischen Armee nur zwei Wochen. Der König floh nach Dänemark und Norwegen war bis 1905 in einer Union mit Schweden verbunden. Sie hatten einen gemeinsamen König, aber ein eigenes Parlament und eine unabhängige Außenpolitik.
Storting
Norwegen ist eine repräsentative Demokratie. Das Prinzip des Parlamentarismus wurde 1884 von Johan Sverdrup durchgesetzt. Die Regierung hat die politische Gewalt des Königs übernommen und wird von den gewählten Repräsentanten kontrolliert. Zwar muß der König neue Gesetze unterschreiben, bevor diese gültig werden, er kann dies jedoch auch nicht verweigern. Nach einer alten Tradition gibt es trotzdem jede Woche ein Treffen, bei dem der König über die neuesten Entwicklungen informiert wird.
Die gewählten Repräsentanten bilden das "Storting", das norwegische Parlament. Ab 1814 war das Storting in Eidsvoll untergebracht. 1860 einigte man sich auf ein neues Gebäude. Als Platz wurde das Gelände direkt gegenüber dem Königklichen Schloß an der Karl Johans Gata gewählt. Geplant von einem schwedischen Architekten wurde es 1866 fertiggestellt. Charakteristisch ist das runde Innengebäude und die Eingänge, die eine einladende Wirkung haben sollen. Das Parlament vertritt die Bevölkerung, und das sollte sich in der Architektur ausdrücken. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg wurden viele der Räume restauriert und ein Neubau angefügt. Heute werden auch zusätzliche Gebäude von der Regierung und dem Parlament benutzt.
Das Parlament umfaßt 169 Abgeordnete. Sie müssen jeweils einen oder mehreren der 13 Komittees angehören. Es gibt jeweils ein Kommittee für z.B. Außenpolitik, Bildung und Wisenschaft, Finanzen und Wirtschaft, Verteidigung, Gesundheit, Recht und andere. Ein Wahlrecht für Frauen gibt es seit dem Jahre 1913. Als erste weibliche Abgeordnete saß aber Anna Georgine Rogstadt schon 1911 im Storting. Die Hauptaufgaben des Storting sind die Gesetzgebung, die Finanzen und die Überwachung der Regierung.
Es gab bisher sechs Volksabstimmungen in Norwegen. 1905 stimmte die Bevölkerung für die Auflösung der Union mit Schweden sowie für die Einsetzung Prinz Carls von Dänemarks als König Haakon VII. 1916 stimmten sie für das Verbot von Alkohol, daß sie 1927 wieder aufhoben. 1972 und 1994 stimmte die Bevölkerung gegen einen Beitritt zur EU bzw. EG.
Bilder aus dem Parlamentsgebäde
Historischer Saal. In diesem Raum hängen viele Bilder von den Teilnehmern der Versammlung von 1814 und Kopien wichtiger Dokumente, inklusive der Verfassung, sind hier ausgestellt. Die Originalversion der Verfassung ruht im Archiv ebenfalls im Gebäude.
Gesetzeskammer. In dieser kleineren Kammer wird über Gesetze entschieden, die vorher schon in der Großen Kammer verhandelt wurden und von einem der Komittees ausgearbeitet wurden. Sie können mit Kommentaren versehen an die Große Kammer zurückgegeben werden. Wenn die Abgeordneten der Gesetzeskammer das Gesetz das zweite Mal zurückgeben, muß mit einer Zweidritte-Mehrheit vom Parlament darüber entschieden werden. Der König und der Premierminister müssen das Gesetz noch unterzeichnen, bevor es gültig ist.
Eidsvoll Gallery. An den Wänden hängen die Portraits der Väter der Verfassung. Der Raum wurde nach Ende des 2. Weltkrieges mehrmals restauriert und ist heute einer der schönsten Räume. Er wird als "Wohnzimmer", wo sich die Abgeordneten unterhalten können, oder für Empfänge genutzt.
Die Große Kammer ist in Form eines Amphitheaters angelegt. Über dem Platz des Präsidenten hängt da berühmte Bild der Eidsvoll-Versammlung von Oscar Wergeland. Der Mann mit der roten Jacke hat als Sekretär die Verfassung niedergeschrieben. Er schaut aus dem Bild in die Kammer hinein, um die Anwesenden immer an die Verfassung zu erinnern.
In der ersten Reihe sitzt die Regierung, dahinter die Abgeordneten. Die Abgeordneten einer Partei sitzen nicht zusammen, sondern sind geographisch geordnet. Die linke Loge ist für Diplomaten, die rechte für die Presse. An den Diskussionen in der Großen Kammer nehmen nicht immer alle Abgeordneten teil. Die Punkte, die hier zur Sprache kommen, sind schon vorher in einem oder mehreren der 13 Komittees ausgearbeitet worden.
In dieser Halle direkt vor der Großen Kammer herrscht normalerweise ein Kommen und Gehen. Hier werden oft Interviews gegeben. Der Teppich an der Wand hängt dort seit letztem Jahr, er wurde in einem Wettbewerb ausgewählt. Es gibt 600 Kunstwerke im Parlamentsgebäude. Sie wurden entweder speziell für diesen Ort in Wettbewerben ausgewählt, von Privatpersonen gestiftet oder sind von der Nationalgallerie geliehen.
Links die Eingangshalle des Parlamentes. Das Gemälde an der Wand hat auch einen Preis bekommen und sollte ursprünglich im Rathaus hängen. Rechts der Treppenaufgang mit einem weiteren Kunstwerk. Auch dieser Ort ist oft im Fernsehen zu sehen.


