Bernd & Natalie

Mittwoch, 15. August 2007

Auf Blåmann's Nase

Am Mittag machen Bernd, Petra und ich uns auf auf den Weg zum Blåmann. Unsere erste "Autowanderung"! Mit dem Auto ist man doch viel schneller am Kaldfjord als zu Fuß. Am Beginn des Weges gibt es einen kleinen Wanderparkplatz. Drei Autos stehen dort, so stark besucht wie der Tromsdalenstind ist Blåmann's Nase wohl nicht. Aber der Weg beginnt an der Straße mit einem Wegweiser ("Blåmannen 3.9 km" - davon 1 km senkrecht nach oben?) und ist immer gut ausgeschildert.

Relativ flach geht es zunächst zum Fuß des Berges, der Weg ist mit Bretterbohlen ausgelegt. Da es erst heute morgen aufgehört hat zu regnen wäre es ohne auch schwierig gewesen. Trotzdem hing der halbe Berg an unseren Schuhen! Nach ein paar hundert Metern führt der Weg durch ein kleines Wäldchen, in dem Unmengen Heidelbeeren (norwegisch: Blåbær - wie passend!) wachsen. Auf dem Rückweg wollen wir ein paar mitnehmen für Muffins und Marmelade.

Vom Weg sieht man nur die Spitze der Nase, denn eine Felswand versperrt noch die Sicht. Dafür wird ihr Schatten auf dem Kaldfjord immer länger. Dicht an der Wand führt der Trampelpfad entlang und führt auf etwa 500 m Höhe auf eine geneigte Steinebene, die vom Gletscher fast glatt abgeschliffen wurde. Wir machen eine Kekspause (die Gummibärchenpause gab es bei 200 und 400 m) und gehen langsam weiter. Die Landschaft wird nun steiniger (wie sind denn nur so große Steine auf den Berg gekommen?) und wir können weiter in das Tal schauen.

Der letzte Aufstieg beginnt: In Serpentinen geht der Weg zwischen zwei Felswänden hinauf. Hier kommt gleich die erste schwierige Stelle, an der man etwas klettern muß. Der Weg ist doch anspruchsvoller als der Tromsdalenstind. Es geht steil nach oben. 1044 m mißt der Gipfel, doch bei 1000 m kommen wir plötzlich nicht mehr weiter. Wir versuchen es an einer anderen Stelle, die nicht ganz so schwierig ist, aber auch einige Zeit in Anspruch sind. Doch dafür ist nun der Gipfel in Sicht. Vorsicht: die Nase hat eine mehrere 100 m hohe senkrechte Wand, leicht überhängend, die man von oben nicht sehen kann. Also nicht herunterfallen.

Die Aussicht aber ist sehr schön. Wenn man sich traut, kann man rechts und links in den Tälern zwei Seen sehen, umrahmt von unzähligen Gipfeln im Westen. Im Norden sieht man das Meer. Über den Kaldfjord kann man hinaus schauen, man sieht Tromsø, den Balsfjord, den Tromsdalenstind und sogar die Lyngen-Alpen weit dahinter.

Während wir auf dem Gipfel vespern wird es kalt, der Wind geht und das Wetter verschlechtert sich rapide. Plötzlich zieht von Süden Nebel auf, der immer dichter wird und den es nach fünf Minuten einfach über uns pustet. Er fließt über den scharfen Grat im Süden und zieht den Kaldfjord entlang. Es sind Eisteilchen in der Luft, das ideale Wetter für die Beobachtung von Phänomenen der Atmosphäre. Auf dem Weg nach oben haben wir einen Sonnenhalo gesehen, ein Ring von 22 Grad, wie man ihn auch um den Mond sehen kann im Winter, allerdings konnte man ihn heute in Regenbogenfarben bewundern. Auf dem Gipfel sehen wir eine ausgeprägte Nebensonne. Und der Blick auf den Nebel des Kaldfjord ist noch faszinierender: Ein doppelter Regenbogen, allerdings kein normaler, sondern viel viel enger. Er hat sich um den Schatten der Nase (auf der wir ja direkt saßen) gebildet, genau gegenüber der Sonne. Auf englisch heißt das Phänomen, daß sich auch manchmal aus dem Flugzeugschatten beobachten läßt, "The Glory", auf deutsch "Brockengeist", weil man manchmal seinen eigenen Schatten umgeben von farbigen Lichtringen sehen kann, wenn man auf einem Grat steht.

Doch nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei und die Sicht wird gleich wieder klar. Es ist trotzdem kalt, und wir machen uns an den Abstieg. Die Kletterstellen meistern wir auch. Wir sind gar nicht die letzten heute, noch drei Leute sind auf dem Weg zum Gipfel. Doch als wir weiter unten stehenbleiben um Heidelbeeren zu pflücken, überholen sie uns schließlich wieder. Um halb 11 kommen wir wieder am Auto an. Es hat sich gelohnt! (Und die Heidelbeermuffins sind schon wieder leer).

Karte

 

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