Telemetrie
Noch vor dem Mittagessen laufe ich zur Haupttelemetriestation. Dort finde ich unseren Kursleiter. Er berichtet mir, dass auch sie nach 74 Sekunden Flugzeit den Kontakt verloren hätten. Das war zur selben Zeit als ich in der USOC TM auch den Kontakt verloren hatte. Die Rakete ist also früher im Meer aufgeschlagen, als wir dachten. Wir hatten also gar nicht vorzeitig den Kontakt verloren sondern die Rakete über die ganze Flugzeit hinweg verfolgt!
Wir breiten auf dem Boden das Papier des Papierschreibrs aus. Die 20 Fuß Antenne ist kurz vor dem Start ausgefallen. Das gleiche Problem wie vorgestern: instabiler Oszillator. Die Daten der Phasenmessung sind bis fast zur Unkenntlichkeit verrauscht. Das Signal von der 10 Fuß Antenne ist jedoch gut.
Wir zählen, um wieviele Wellenlängen sich die Phase des Signals aus der Rakete verschoben hat und berechnen unter Berücksichtigung der Antennenwinkel die maximale Höhe: 8,2 Kilometer. Etwas weniger als gedacht. Das liegt an der etwas geringeren Elevation beim Start von 75,6 Grad gegenüber 78 Grad wie geplant. Doch wir sind zufrieden. Wir haben die Messdaten. Das ist das Wichtigste.
Ich werfe einen Blick auf den Ausdruck mit der Empfangssignalstärke. Anfangs schwankt sie stark. Das war zu der Zeit, als sie Autotrack verloren haben und die Antenne manuell steuern mussten. Aber auch später treten noch starke Schwankungen auf. Wir kommen zu dem Schluss, dass in diesem Bereich das Tracking auf einer Sidelobe der Antenne stattgefunden hat. Im Gegensatz zu dem Strahl einer Taschenlampe senden oder empfangen Parabolantennen nicht nur einen Strahl (Mainlobe), sondern es gibt zusätzliche Strahlen (Sidelobes), die schwächer sind. Keine ideale Situation. Wäre es eine große Rakete gewesen, wäre das Signal sicherlich verloren gegagen. Unsere Rakete war jedoch "nur" etwa 10 Kilometer entfernt. Insofern spielte es für die Datenaufzeichnung keine Rolle.

