Life @ ALOMAR
Zweieinhalb Wochen sind schon vorbei! Auch in Andøya vergeht die Zeit viel zu schnell. Wir haben uns sehr gut eingelebt hier und haben sehr nette Gesellschaft. Neben den Mitarbeiten vom ALOMAR, die uns immer unterstützen, sind seit einer Woche noch zwei deutsche Studenten hier, die auch am ALOMAR eine Projektarbeit machen, sowie eine kolumbianische Doktorandin.
Ein Laserspezialist von Institut für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn ist gestern abgereist. Er hat pausenlos gearbeitet, vom morgens um 8 bis abends um 8 Uhr, und hat uns an Wochenenden und Feiertagen mit dem Auto mit zum ALOMAR genommen. Rechts auf dem Bild sieht man den sogenannten Seeder-Laser des RMR-Lidar, ein viel komplexeres System als unser Ozonlidar. Die Laser sind für die "Leuchtende Nachtwolken"-Kampagne vorbereitet worden, die Ende Mai beginnt.
Am Samstag vor zwei Wochen, als wir zusammen am ALOMAR waren, hat es so sehr geschneit, daß wir mit dem Auto nicht mehr vom Berg herunter kamen - wir mußten es zurücklassen und zu Fuß weitergehen. Zum Glück ist es nur eine Stunde Fußmarsch vom ALOMAR hinunter zur Rocket Range. Letzten Sonntag war es umgekehrt: Plötzlich klarte das Wetter auf und Edith, die Doktorandin und wir hofften, messen zu können. Weil wir alle keine Einweisung für die Autos mit Allradantrieb hatten, mußten wir laufen. Oben angekommen, waren natürlich Wolken aufgezogen und wir konnten wieder hinunter gehen.
Mit dem Wetter ist es so eine Sache hier in Andøya: Wolken, Nebel, Schneesturm. Kein ideales Wetter für Lidarmessungen. Nur zwei Meßnächte hatten wir bisher - eine davon mit nur schlechter Signalqualität wegen leichtem Nebel und Wolken. Auf dem Bild links sieht man den Laser des Troposphärenlidars, der grünes Licht aussendet (man sieht es ganz leicht). Unser Ozonlidar erzeugt kein sichtbares Licht.
Und so messen wir hauptsächlich "im Trockenen", also unter kontrollierten Bedingungen an dem Ozonlidar, was auch seine Vorteile hat. Wir geben mit einem Spektrometer eine feste Wellenlänge vor und bestimmen mit diesem Aufbau Charakteristika des Instrumentes. Insbesondere beschäftigt uns die Elektronik auf der Empfangsseite: Photomultiplier, Verstärker und Diskriminatoren. Wir haben Photomultiplier getauscht und sind gerade dabei, die richtigen Einstellungen für ihren Betrieb zu bestimmen, was gar nicht so einfach ist.
Andenes um Mitternacht am 24. April. Es wird schon nicht mehr ganz dunkel nachts.
Aber nicht nur am ALOMAR wird gearbeitet, auch auf der Rocket Range findet eine Raketenkampagne statt. Zeitgleich mit uns kam eine Gruppe von NAMMO, geleitet von Jan-Erik Rønningen, dem Raketen-Spezialisten, und zwei Mitarbeiter von Lockhead Martin hier in Andøya an. Wir sind fast jeden Abend zusammen mit ihnen im Wohnzimmer der Rocketrange gesessen. Das war sehr nett, sie haben sich für unsere Arbeit interessiert und wir konnten ein bißchen an der Raketenkampagne teilhaben.
Die Rakete mit dem Namen "HTR" für "Hybrid Technology Rocket" ist ein Test eines neuen Raketenantriebs, eines Hybridmotors. Jede Menge flüssiger Sauerstoff wurde dafür von Oslo nach Anøya gebracht. Die Rakete war mehr als 10 Meter lang und sehr schmal. Weil sie außerdem nur eine geringe Beschleunigung beim Start haben sollte, mußte bei ihrem Flug eine geringe Windgeschwindigkeit herrschen.
Und so hieß es für die Raketengruppe, nachdem die Rakete fertig aufgebaut war, genauso wie für uns: Warten auf besseres Wetter. Drei Tage vergingen mit Testcountdowns und immer wieder startenden Wetterballons, die die Windgeschwindigkeit in der Atmosphäre gemessen haben. Der Countdown dauerte vier Stunden und ständig waren wir gespannt, ob es jetzt klappen würde. Am Montag war es soweit. Bei -2 Stunden wurde der Countdown gehalten, die Windgeschwindigkeit besserte sich und der Countdown lief weiter. Bewaffnet mit Photokameras standen wir am Ende der abgesperrten Straße - doch nichts passierte.
Warten auf den Start am Ende der gesperrten Straße, doch die Rakete (Bildmitte) ist immer noch da.
Nachdem die Zündung versagt hatte, mußte der flüssige Sauerstoff abgelassen werden. Nach kurzer Zeit wurde das Gebiet aber schon wieder freigegeben und es stellte sich heraus, daß die Rakete keinen großen Schaden genommen hatte. Sie wurde wieder in die Halle gebracht und den ganzen 1. Mai arbeiten die Techniker daran. Gestern konnnte sie schon wieder auf die Startrampe gebracht werden. Heute morgen begann der siebte Countdown und diesmal lief alles wunderbar. Vom Berg hatten wir eine sehr gute Sicht und konnten dem Start der Rakete zusehen.
Auf der Webseite der Rocketrange gibt es ein Blog mit vielen Photos zum Verlauf der Kampagne.
Und... hier kommt das Video vom Raketenstart :-) !
Und zum Schluß noch eine kleine Neuigkeit aus dem hohen Norden: Es ist nicht nur so warm, daß es regnet (was sich schon anfühlt wie Sommer), sondern sogar der Schnee ist geschmolzen, und hervor kam...: Moos, Gras und Erde. Traumhaft, durch solch eine Landschaft zu laufen.. Zumindest wenn man monatelang auf Schnee und Eis gelebt hat, wirklich!


