Bernd & Natalie

Donnerstag, 19. April 2007

Erste Messungen

Der Blick aus dem Fenster heute morgen war vielversprechend und schon auf der Fahrt zum ALOMAR wurde verkündet, daß heute das Dach geöffnet werden kann. Gegen Mittag haben wir den Detektor auf das Tageslichtsystem umgebaut. Dazu müssen die zwei Photomultiplier an eine andere Stelle gesetzt und zwei Spiegel aus dem Strahlengang gefahren werden.

Weil das Tageslichtsystem nicht sehr gut funktioniert, war das Signal nur schwach. Wir brauchten diese Daten als Referenz für die älteren Messungen, die wir auswerten, bevor wir Einstellungen in den nächsten Tagen verändern. Das erste Anschalten des gesamten Systems war auch eine Übung für die heutigen Nachtmessungen.

Gegen fünf Uhr stoppen wir den Laser um nicht zu viel von dem teuren Xenon-Gas zu verbrauchen. Um 22 Uhr lokaler Zeit, als die Sonne bereits fünf Grad unter dem Horizont steht, können wir mit den Nachtmessungen beginnen. Dazu muß der Detektor vom Tageslichtsystem wieder auf das Nachtsystem umgebaut werden. Hier eine kleine Checkliste für das Prozedere, welches durchlaufen werden muß, bevor mit den Messungen begonnen werden kann:

  • Anschalten des Lasers. Die Pumpe zur Kühlung des Lasers wird eingeschaltet und der Laser muß eine Viertelstunde aufwärmen. Der Druck an der Raman-Zelle und die Hochspannung und Energie des Lasers werden kontrolliert
  • Die Meßcomputer werden eingeschaltet.
  • Der Tower des Flughafens wird angerufen und informiert, daß die Lidarmessungen jetzt starten. Der Luftraum über dem ALOMAR wird für Flugzeuge gesperrt, während der Laser läuft.
  • Nun wird das Dach der Teleskophalle geöffnet. Vorher muß es eventuell von Schnee geräumt werden. Dann kann in der Teleskophalle die Styroporabdeckung vom Teleskop entfernt werden.
  • Jetzt ist alles bereit um den Laser einzuschalten.
  • Bevor die Messungen beginnen können, muß der Strahl ausgerichtet werden, daß heißt das Sichtfeld des Teleskopes und der Laserstrahl werden in Deckung gebracht. Das erfordert etwas Erfahrung und Fingerspitzengefühl.
  • Die Messungen können nun beginnen. Nach etwa 30 Minuten muß der Strahl wieder justiert werden, bis er sich stabilisiert.

Drei Stunden können wir heute Nacht reguläre Ozonmessungen machen. Daran anschließend beginnen wir mit einem Sättigungsexperiment, indem wir alle Chopper-Höhen zunächst um einen und dann um zwei Kilometer heruntersetzen. Eine letzte Referenzmessung mit den ursprünglichen Werten sollte die Meßreihe beenden.

Doch dann geht alles sehr schnell. Die Daten auf dem Meßcomputer sehen auf einmal seltsam aus. Wir haben das Signal verloren. Ich gehe sofort nach draußen und schaue in den Himmel: eine dicke Wolke ist aus dem Nichts über dem ALOMAR aufgetaucht. Wir beschließen die Messungen abzubrechen und schalten den Laser aus. Plötzlich ertönt ein heulender Alarmton - das Regenradar hat angeschlagen. Wir eilen auf das Dach - auf keinen Fall darf es nämlich passieren, daß es auf die teuren Teleskope schneit.

Aber wir können das Dach rechtzeitig schließen. Hinter Andenes sieht man auf dem Meer schon das erste Morgenrot, um halb drei Uhr nachts. Ich hole die Kamera um ein Photo zu machen, doch da liegt Andenes schon im Nebel. Als wir eine Viertelstunde später aus dem Gebäude treten, stehen wir im Schneesturm. Alles ist weiß und wir kommen nur im Schritttempo wieder den Berg herunter mit dem Auto. Was für ein Wetter!

 

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