Ankunft in Andøya
Am Montag, pünktlich zu Beginn des Semesters, begann unser Praktikum am Forschungsinstitut ALOMAR. Der Flug von Tromsø nach Andenes mit einer kleinen Propellermaschine dauert nur 25 Minuten. Es war leicht bewölkt und wegen starken Windes sind wir auf einer Querbahn gelandet. Andenes ist ein großer Militärflughafen. Im Kalten Krieg war hier ein wichtiger NATO-Stützpunkt.
Die Insel Andøya liegt ganz im Norden der Inselgruppe, die aus den Lofoten (südlicher Teil) und den Vesterålen (nördlicher Teil) besteht. Die Stadt Andenes hat ungefähr 3000 Einwohner und liegt ganz an der Nordspitze der Insel. Andenes ist der grüne Punkt auf der Karte; Tromsø ist als roter Punkt eingezeichnet.
Barbara, Ingenieurin am ALOMAR, hat uns am Flughafen abgeholt und zur Rocket Range gefahren, wo wir wohnen können. Auf dem Weg waren wir gleich noch einkaufen. Die Rocket Range liegt geschützt von Bergen direkt am Meer. Der Komplex besteht aus einem Hotel für die Wissenschaftler, Büros, Seminarräumen, Labors und Kontrollzentren für die Raketenstarts. Wie das ungefähr abläuft, wenn eine Rakete startet, haben wir an dieser Stelle schon einmal beschrieben.
Für die nächsten vier Wochen haben wir auf der Range ein Doppelzimmer mit Bad, und kochen können wir in einer Gästeküche. Gleich den ersten Abend haben wir zu einem kleinen Spaziergang am Strand genutzt. Es gibt sehr schönen Sandstrand hier. Im Gegensatz zu Tromsø spürt man aber deutlich, daß man direkt am Meer ist: es weht ein starker, eisiger Wind. Mit Sonnenbaden sieht es erstmal nicht gut aus.
Aber wir sind ja auch zum Arbeiten hier. Morgens um 8 Uhr versammeln sich die Mitarbeiter an der Rezeption der Range und mit zwei Autos fahren wir zum ALOMAR. Die Fahrt dauert nur eine Viertelstunde, hat es aber in sich: ALOMAR liegt auf einem etwa 400 m hohen Berg und die Straße dorthin ist nicht geteert, stellenweise sehr steil und neuerdings stark vom Schmelzwasser gezeichnet. Wenn es eine Leitplanke gibt, befinden sich stellenweise verdächtige Löcher in ihr.. Kurz: es ist ein Abenteuer. Das ALOMAR besitzt dafür extra zwei Autos mit Allrad-Antrieb, die man nur nach vorheriger Einweisung benutzen darf. Auf unserer ersten Fahrt nach oben lag ALOMAR natürlich auch im Nebel, so daß man die Straße fast nicht sehen konnte. Im Winter ist es manchmal gar nicht möglich, nach ALOMAR (oder wieder zurück) zu kommen.
Das ALOMAR ist ein acht-eckiges Gebäude, das einfach perfekt in einen James-Bond-Film paßt. In der Mitte des Gebäudes befindet sich die Teleskophalle. Ringsum angeordnet sind auf zwei Etagen die Labore, wo die Laser, die Optiken und die Meßcomputer stehen. Außenherum führt eine Galerie. Drei Wendeltreppen führen durch das Gebäude und auf das Dach. Das Dach wiederum kann man öffnen - und dann richten sich 30 cm breite, grüne Laserstrahlen in den Himmel.
Aber am ALOMAR muß sich alles nach dem Wetter richten. Es darf nicht schneien oder regnen, wenn das Dach offen ist, damit nichts auf die teuren Teleskope fällt. Vor dem Öffnen muß es erst einmal vom Schnee geräumt werden, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Außerdem muß die Windgeschwindigkeit entsprechend niedrig sein, damit in der Teleskophalle nichts beschädigt wird. Messungen mit den Lidars können nur gemacht werden, wenn der Himmel klar ist - und am besten noch dunkel.
Noch ist es nicht soweit. Bisher war das Wetter bewölkt. Heute mittag hätte es fast geklappt, nur einzelne Schneeflocken haben das Öffnen des Daches verhindert. Für morgen ist die Wettervorhersage aber gut. Wir haben derweil im "Trockenen" geübt, uns mit der Datenaufnahme vertraut gemacht und Hintergrund gemessen, wofür wir den Laser nicht anschalten müssen.
Mittlerweile ist die Sonne untergegangen und es ist wieder bewölkt. Seit mehr als einem Monat ist wegen dem Wetter nicht mehr mit den Lidars gemessen worden. Wir sind gespannt. Vielleicht heute Nacht ...

